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Rhodos – Tag 1 und 2

Rhodos-Altstadt

Per Inlandsflug habe ich die Inseln gewechselt. Nach fünf Tagen Karpathos sollten jetzt sieben Tage Rhodos folgen. Auf Rhodos hatte ich drei Hotels in verschiedenen Regionen vorgesehen, um möglichst viel von der Insel per Mietwagen und zu Fuß besuchen zu können.

Den Anfang machte ein kleines Hotel mitten in der Altstadt von Rhodos-Stadt, das ich am frühen Nachmittag mit dem Taxi vom etwa 30 Minuten entfernten Flughafen aus und auf dem letzten Stück vom Altstadtrand zu Fuß erreichte. Ein Mietwagen macht hier wenig Sinn, da die Altstadt von Rhodos autofrei ist und nur wenige Bewohner mit Genehmigungen dort fahren dürfen.

Die Einheimischen auf Karpathos lieben Rhodos-Stadt. Es ist für sie die nächstgelegene wirkliche „Stadt“ – sie hat ca. 55000 Einwohner, von denen der weitaus größte Teil aber in der Neustadt lebt – , und sie besuchen sie für größere oder exklusivere Einkäufe oder auch einen ernsthafteren Arzttermin. Vermutlich suchen sie aber eher die Neustadt auf; die Einkaufsstraßen in der Altstadt haben sich mit einer Überfülle an Tavernen, Souvenirshops und kleinen Geschäften mit typisch griechischen Produkten eher auf Touristen eingerichtet.

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RhodosOldTown2Rhodos-Stadt wurde zwar schon in der Antike nach dem Zusammenschluss der drei schon vorher beherrschenden Städte Ialyssós, Líndos und Kamirós gegründet, aber man findet heute nur wenige antike Überreste in der Stadt. Über den legendären „Koloss von Rhodos“ gibt es widersprüchliche Berichte, was seine Gestalt und seinen Standort angeht. Die weitverbreitete Ansicht, er hätte breitbeinig über der Einfahrt in den Hafen der Stadt gestanden, gilt als nicht gesichert und es wurden bis heute keine Bruchstücke von ihm gefunden. Natürlich folgen nichtsdestotrotz alle Souvenirobjekte und Darstellungen der Riesenskulptur jener verbreiteten Ansicht.

Absolut bestimmend für das heutige Stadtbild ist die später entstandene mittelalterliche und die noch später hinzugekommene islamische Architektur, die sich nach der Eroberung von Rhodos durch das osmanische Reich über Teile der Stadt ausgebreitet hat. Tatsächlich war die Phase der türkischen Herrschaft etwa doppelt so lange wie die der Johanniter des Mittelalters, jedoch wurden in der späteren italienischen Kolonialzeit viele mittelalterliche Gebäude wieder aufgebaut und restauriert, so dass sie heute das Stadtbild stärker prägen als der islamische Einfluss.

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Daneben sind hier und da noch ältere in einen Winkel gequetschte byzantinische Kirchen zu entdecken, deren Entstehung noch vor dem Ausbau der mittelalterlichen Befestigungsanlagen liegt.

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Dass es außerdem einmal ein jüdisches Viertel gab, ist den wenigsten Besuchern bekannt. Es gibt zwar eine unauffällige versteckte Synagoge, die daran erinnert, aber die kurze deutsche Besatzungszeit gegen Ende des zweiten Weltkriegs hat es geschafft, die jüdische Gemeinde durch Vertreibung und Deportationen in Konzentrationslager bis auf eine Handvoll noch im ehemaligen Viertel lebende Familien auszulöschen.

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Den besten Überblick über die Altstadt hat man vom „Uhrenturm“ aus, den man über wenige Stufen besteigen kann. Von hier kann man in allen vier Himmelsrichtungen die gewaltige mittelalterliche Stadtmauer sehen, welche die Altstadt umgibt und hinter der die moderneren Gebäude der Neustadt beginnen, den Großmeisterpalast, das mächtigste einzelne Bauwerk der Altstadt, die verschiedenen alten und neuen Häfen, an die Rhodos angeschlossen ist, und man bekommt insgesamt eine Vorstellung vom Gewimmel der vielen Straßen und Gassen und von der bunten Mischung an Kulturen und Stilen, welche Rhodos-Altstadt prägen.

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RhodosOldTown7Obwohl es Straßen gibt – insbesondere die zentrale Sokrates-Straße -, durch welche sich Menschenmengen wälzen, braucht man nur ein- oder zweimal von den Hauptwegen abzubiegen und schon verläuft man sich schnell im Netz sehr ruhiger, mit groben Kieselsteinen gepflasterter und teilweise menschenleerer Gassen.

Glücklicherweise erreicht man in der Regel früher oder später Teile der Ringmauer um die Altstadt und kann an ihr entlanggehen, um eines der sieben Tore in die Altstadt zu erreichen und sich damit wieder neu orientieren zu können.

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Einen besonderen Reiz haben die Gassen der Altstadt am Abend, wenn es dunkel ist, und die Beleuchtung eine vielleicht schwache Idee vermittelt, wie es vor einigen hundert Jahren dort im Schein flackernder Laternen und beim Klang auf dem Kopfsteinpflaster klappernder Wagenräder und Pferdehufe zugegangen sein mag.

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Entstanden ist dieses in eine riesige Festung eingeschlossene mittelalterliche Stadtbild zur Zeit der Kreuzritter, zu der Rhodos ein wichtiger Vorposten und eine Zwischenstation auf dem Weg ins Heilige Land war. Die Stadt wurde vom Johanniterorden beherrscht, bis er nach etwa 200 Jahren vom osmanischen Reich verdrängt wurde, sich nach Malta zurückzog und dort zum noch heute existierenden Malteserorden wurde.

Gekrönt werden die mittelalterlichen Bauten vom Palast des Großmeisters, dem Oberhaupt des Johanniterordens. Der heutige Bau geht allerdings nur noch in kleinen Teilen auf das mittelalterliche Original zurück, sondern wurde von den italienischen Faschisten, die Rhodos zur Zeit des zweiten Weltkriegs besetzt hielten, aufgrund alter Baupläne rekonstruiert, um als Sommerresidenz für Mussolini zu dienen.

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Das Innere des Palastes ist sehr eindrucksvoll. Die Zimmer sind jedenfalls sehr geräumig, wenn auch nach heutigen Maßstäben nicht unbedingt gemütlich.

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RhodosOldTown10Vom Palast aus verläuft die lange „Straße der Ritter“ stets bergab. Sie wird links und rechts von stattlichen Gebäuden flankiert, die heute teilweise als ausländische Konsulate dienen, in der Vergangenheit aber Unterkünfte für die Ritter waren, die als Schutzmacht in der Stadt stationiert waren.

Man muss sich hier ein wahrliches Sprachgewirr vorstellen, denn die Ritter kamen, heutigen UNO-Blauhelmen gleich, aus verschiedenen Ländern, wie Italien, Frankreich, Spanien, England, Deutschland und anderen. All diese Rittergemeinschaften hatten ihre eigenen Herbergen in der Straße der Ritter – mit Ausnahme der deutschen Ritter, die arm waren und sich keine eigenen exklusiven Unterkünfte leisten konnten.

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2 Kommentare zu „Rhodos – Tag 1 und 2“

    1. Ja, das war es! Wenn man nur einen Tag für die Insel Zeit hätte, dann wäre die Altstadt meine erste Wahl. Sie ist wirklich einzigartig. Wenn man zwei Tage Zeit hat, dann noch Líndos, aber der Blogpost dazu kommt noch…

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