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Grenada – Im Norden der Insel

Wasserfälle, Küsten und warme Quellen

Der nördliche Teil Grenadas ist ruhiger und weit weniger von Touristen besucht als der Süden. Er kann gleichermaßen gut über die Westküstenstraße oder die Hauptstraße, die näher zur Ostküste verläuft, erreicht werden.

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Concord Falls

Entlang der Westküste, der weniger windigen Karibikseite, reihen sich nördlich von St. George’s mehrere Orte aneinander. In Concord zweigt eine sehr schmale Straße ins Inselinnere ab, die zu den Concord-Wasserfällen führt.

Sie bestehen aus insgesamt drei Kaskaden, von denen aber nur die erste über die Straße zu erreichen ist. Die anderen beiden erfordern eine als recht schwierig geltende Wanderung durch den Urwald.

Dementsprechend haben sich am Ende der Straße neben dem ersten der Wasserfälle ein paar Souvenirstände etabliert, die vor allem auf die Ausflugsgäste warten, die mit Minibussen von den Kreuzfahrtschiffen hierher gebracht werden.

Einer der Souvenirverkäufer war sehr freundlich; er zeigte mir den – absolut nicht zu übersehenden – Weg eine Treppe hinunter zum Pool des Wasserfalls und kündigte vorausschauend an, dass wir uns bei meiner Rückkehr dann einmal ernsthaft über die Auslage seines Souvenirshops unterhalten müssten.

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Concord Falls

Seiner Erfahrung nach seien die deutschen Touristen geizig, sagte er – französischen Touristen sagt er gewiss, dass die französischen Touristen seiner Erfahrung nach geizig seien. Ich habe dann einen Kugelschreiber aus heimischem Mahagoni-Holz gekauft, handgebohrt – er wurde nicht müde, den Aufwand dafür zu betonen – und krumm – das lässt ihn wie ein Naturprodukt erscheinen -, aber dann durch eine dazugekaufte billige Mine und eine weder farblich noch mechanisch passende Plastikkappe ästhetisch vollständig ruiniert. Ich bin mir heute nicht einmal mehr sicher, ob nicht auch das Mahagoni-Holz ein Imitat ist.

Die Straße verläuft größtenteils direkt an der Küste, und da umso weniger Verkehr herrscht, je weiter man nach Norden kommt, ergeben sich jetzt mehr Gelegenheiten, einfach am Straßenrand anzuhalten und ein paar Fotos zu schießen.

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An der Nordwestküste Grenadas

Oder einen Schnappschuss aus dem fahrenden Auto über die manchmal fast leeren Straßen in Gouyave oder Victoria zu machen.

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Unterwegs durch die Orte an der Westküste

Vor der Duquesne Bay biegt die Straße von der Küste ins Landesinnere ab. Es wird wieder etwas belebter, je näher man Sauteurs, dem Hauptort an der Nordküste, kommt. Die nicht-existente Beschilderung an Straßenkreuzungen lädt wieder herzlich zum Durchfragen ein, wobei die Meinungen über den richtigen Weg manchmal geteilt waren.

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Duquesne Bay

Mit ein wenig Zickzack-Fahren gelang es mir aber dann, die ausgedehnte Sauteurs Bay ganz im Norden Grenadas zu erreichen.

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Nordküste Grenadas

Hier oben treffen die karibische See und der offene Atlantik aufeinander und das Meer ist erheblich rauer als an der Westküste. Ich habe dort nie jemanden baden gesehen, obwohl es lange, wenn auch nicht ganz von Seegras freie Strände gibt. Aber selbst an ruhigen Tagen ist der Seegang nicht zu unterschätzen und die Strömungen sind nicht ungefährlich. Man solle schon ein sehr sicherer Schwimmer sein, wenn man sich hineinwagen wolle, sagte man mir, und eine Strandaufsicht gibt es nicht, also alles auf eigene Gefahr.

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Blick auf Ronde Island, Caille Island, Carriacou und die Grenadinen

Wie das Meer an der Nordküste in der Hurrikan-geplagten Region an weniger ruhigen Tagen abgehen kann, darauf wird mit nicht zu übersehenden Schildern an den Stränden deutlich hingewiesen.

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An Grenadas Nordküste

An Kreuzungen nahe der Nordküste findet man zudem häufig „Tsunami-Fluchtwegweiser“, die, wie man wohl erwarten würde, meistens bergauf auf die umliegenden Hügel führen.

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Nordküste

Blickt man über das Meer in Richtung Norden, sieht man deutlich ein paar kleinere unbewohnte Inseln, Ronde Island und Caille Island, sowie in zweiter Linie dahinter das größere bewohnte Carriacou, das noch zu Grenada gehört. Die dritte bewohnte Insel auf Grenadas Territorium, Petite Martinique, liegt noch hinter Carriacou und ist nicht zu sehen. Bei guter Sicht ist auch Union Island, die südlichste Grenadineninsel, die schon zu St. Vincent gehört, zu erkennen und bei noch besserer Sicht die etwa 120 Kilometer entfernte Hauptinsel St. Vincent selbst.

Sauteurs ist mit etwa 1300 Einwohnern der größte Ort an der Nordküste und er ist, wie französische Ortsnamen auf Grenada oft nahelegen, geschichtsträchtig.

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Katholische Kirche von Sauteurs

Hinter der katholischen Kirche von Sauteurs, die im Ort auf einem Hügel steht, befindet sich ein Friedhof und ein Denkmal auf den steil ins Meer abfallenden Klippen des Hügels.

Der Ort wird Morne des Sauteurs oder Leapers Hill, der „Hügel der Springer“, genannt, nach einem Vorfall, der sich hier 1651 zugetragen haben soll, als die letzten Kariben, die Ureinwohner Grenadas und der anderen ostkaribischen Inseln, sich hier in den letzten Winkel zurückzogen und schließlich selbst von den Klippen stürzten, um der Gefangennahme und Ermordung durch die sie verfolgenden französischen Kolonialherren zu entgehen.

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Friedhof am Leapers Hill in Sauteurs

Aber der Hügel verkörpert nicht nur einen Teil von Grenadas Geschichte, sondern ist auch ein schöner Aussichtspunkt mit Blick auf die Sauteurs Bay und einen Teil des Ortes.

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Sauteurs Bay und Sauteurs
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Bathway Beach

Der beliebteste Badestrand im Norden Grenadas ist der Bathway Beach. Er liegt an der Ostküste und damit der windigeren Atlantikseite, aber ein paar vorgelagerte wellenbrechende Felsen verwandeln den Teil zwischen Strand und Felsen in eine Art langgestreckten breiten Meerespool, in dem die See ruhiger und damit zum Baden geeignet ist.

Der breite Strand hat eine Reihe von schattenspendenden Bäumen, die einen längeren Aufenthalt angenehm machen. Hier entspannen sich viel mehr Einheimische als Touristen und wie fast überall auf Grenada ist dieser Strand ganz und gar nicht überfüllt.

Am Südende des Strandes findet sich in geradezu idealer Lage ein verfallenes Haus.

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Unbewohnte Ruine am Bathway Beach

Man kann nur spekulieren, warum es verlassen wurde und daraus nicht mehr gemacht wird. Aber möglicherweise ist die Lage direkt am Atlantikstrand in der Hurrikan-Saison einfach lebensgefährlich und auch der Zustand dieses Hauses ist das Werk Ivans, des schwersten Sturms der letzten Jahrzehnte auf Grenada.

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Ruine am Bathway Beach

Im Hinterland und weiter nördlich des Bathway Beach befindet sich der Levera National Park, der sich durch ein geschütztes Mangroven- und Feuchtgebiet auszeichnet.

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Eingang zum Levera National Park

Am Nordrand gehört der Levera Beach noch zum Park. Der Strand ist ein Eiablageplatz der streng geschützten großen Lederrückenschildkröten. Diese ausgewachsen fast eine Tonne schweren Schildkröten kommen weltweit in tropischen und subtropischen Regionen, teilweise auch in gemäßigten Zonen, vor, und es sind nur etwa 65 Nistplätze wie der Levera Beach auf der ganzen Welt bekannt; die meisten davon sind Karibikstrände, aber es gibt ebenso Nistplätze an den afrikanischen Küsten und im indischen und pazifischen Ozean.

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Levera Beach mit Sugar Loaf Island im Hintergrund
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Am Levera Beach

Vom Levera Beach aus sieht man die kleine, direkt vor der Küste liegende Insel Sugar Loaf Island. Ein einziges Haus befindet sich auf ihr und man kann es tatsächlich als Ferienunterkunft mieten (für ca. 2000 € pro Woche für bis zu 8 Personen hat man eine ganze Insel für sich), aber es gibt dort sonst nichts, es ist einfach ausgestattet und für Selbstversorger, und es gibt keinen regulären Fährverkehr.

Ebenfalls im Norden vor der östlichen Atlantikküste sieht man noch Sandy Island. Auch dort befindet sich genau ein Haus, ich glaube unbewohnt, aber hier kann man gleich die ganze Insel kaufen (oder konnte man, vielleicht ist sie inzwischen verkauft).

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Sandy Island vor der Nordostküste Grenadas
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Brücke zum Levera Pond

Im Zentrum des kleinen Levera National Park befindet sich der Levera Pond, ein See inmitten der umgebenden Waldlandschaft. Ein kurzer Weg führt von der Schotterpiste, die durch den Park verläuft, zum See.

Die Stille am See wird nur gelegentlich von den Rufen exotischer Vögel und von knisternden Geräuschen im Gehölz unterbrochen. Kaum jemand verirrt sich hierhin, obwohl die neu aussehende Holzbrücke über die Mangrovensümpfe zu einem kleinen Aussichtsturm am Ufer des Sees den Zugang eigentlich einfach macht.

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Levera Pond

Ein noch lebendiges Zeugnis der vulkanischen Vergangenheit Grenadas sind die River Sallée Boiling Springs, eine Handvoll warmer mineralischer Quellen, die sich auf dem Gelände eines Bauernhofs befinden.

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Gelände der River Sallée Boiling Springs
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River Sallée Boiling Springs

Die schwefelhaltigen Wassertümpel sollen eine wohltuende und heilende Wirkung bei Gelenk- und Hautkrankheiten haben. Aber es kann schon einige Überwindung kosten, in die braungelbe undurchsichtige Brühe zu springen.

Zu finden waren die Quellen mittels Schildern so gut wie gar nicht. Wie so oft auf Grenada half nur ein schrittweises und dem Ziel langsam näherkommendes Durchfragen.

An der Antoine Bay ist eine der wenigen Stellen der Ostküste, an denen die Straße direkt an der Küste verläuft. Wie die meisten Küstenstreifen an der Atlantikseite Grenadas ist die Antoine Bay zum Baden ungeeignet, zu heftig ist hier die Brandung und zu gefährlich sind die Strömungen.

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Antoine Bay

Die Palmen, welche den Strand säumen, sehen dort vom ständigen Atlantikwind recht zerzaust aus.

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Atlantikküstenstraße an der Antoine Bay
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Kokospalme

Dennoch halten sich viele Kokosnüsse lange in den Palmen, bevor sie irgendwann unweigerlich hinabfallen.

Es wird davon abgeraten, Schatten unter Kokospalmen zu suchen oder sein Auto dort zu parken. Eine Begegnung mit einer Kokosnuss, die einen Fall aus 20 Metern Höhe hinter sich hat, kann mit Gehirnerschütterung oder gar tödlich enden.

Palmen sind mit einer breiten Wurzelbasis fest im Boden verankert, aber sie haben für ihre Höhe einen auffallend dünnen Baumstamm. Jedoch ist es gerade die Biegsamkeit dieser dünnen Stämme, welche Palmen auch schwerste Stürme überstehen lässt. Sie legen sich mit ihrer Baumkrone in den Wind und klappen einfach wieder hoch, wenn alles vorbei ist.

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(Fotos vom Januar 2019)

 

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3 Kommentare zu „Grenada – Im Norden der Insel“

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