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St. Lucia – Balenbouche Estate

Ein historisches Anwesen und ein Lost Place

Von Soufrière aus führt die Westküstenstraße durch die gebirgige Landschaft der Pitons in Richtung Süden, bevor das Gelände langsam flacher wird und in die Ebene von St. Lucia’s Süden übergeht.

Auf halbem Weg nach Vieux Fort trifft man auf das riesige Anwesen des Balenbouche Estate, einer ehemaligen Zuckerplantage, die zum kulturellen Erbe der Insel gehört.

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Plantagenhaus des Balenbouche Estate

Das Anwesen ist seit Jahrzehnten von der aus Deutschland stammenden Familie Lawaetz bewohnt, auch wenn es schon lange keinen Betrieb als Zuckerplantage mehr gibt.

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Das ganze weitläufige Gelände zusammen mit dem bewohnten Haupthaus der Plantage kann gegen eine geringe Gebühr heute besichtigt werden, und die Besitzer führen, wenn sie Zeit haben, persönlich durch die Geschichte des Anwesens.

Frau Lawaetz, die ich zufällig an einer Bushaltestelle in der Nähe der Zufahrt zum Balenbouche Estate getroffen hatte und mit der ich zusammen zum Plantagenhaus gefahren war, gab mir einen kurzen historischen Überblick über das Haus und ließ mich dann mit einem ihrer Hunde über das Gelände des Anwesens ziehen.

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Im Garten des Balenbouche Estate

Das Pantagenhaus liegt in einem großen tropischen Garten, der mit einigen Wiesenarealen um das Haus aufgelockert ist.

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Überall verstreut findet man Überbleibsel aus der Zeit des Anwesens als Plantage, kleine Stücke bis hin zu Scheunen, die noch auf dem Gelände stehen.

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Die Scheunen werden noch für verschiedene Zwecke genutzt. In einer befindet sich zum Beispiel ein Meditationsraum, der für Touristen, die im Balenbouche Estate untergekommen sind, benutzt wird.

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Mehrere Hütten auf dem Gelände sind renoviert und zu komfortablen Unterkünften ausgebaut worden, die heute an Gäste der Insel vermietet werden. Damit erwirtschaftet das Balenbouche Estate einen großen Teil der Einnahmen, die für seine aufwändige Instandhaltung nötig sind.

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Das größte Highlight auf dem Gelände des Anwesens sind die Ruinen der alten Zuckermühle, die sich in der Nähe des Plantagenhauses inmitten eines wild wuchernden Stück Urwalds befinden, der auf einem schmalen Pfad durchschritten werden kann.

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Verlassene Zuckerrohrmühle und Destillerie auf dem Balenbouche Estate

Wie bei einem uralten Lost Place hat sich die Natur große Teile der ehemaligen Maschinerien und Gebäude zurückerobert.

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Balenbouche wurde um 1740 herum als eine Plantage aufgebaut, die Zucker und Rum produzierte. Sklaven aus Afrika wurden auf die Plantage gebracht und dort zur Arbeit auf den ausgedehnten Zuckerrohrfeldern und in der Destillerie gezwungen. Die Steinkessel, in denen der Zuckersaft zur Herstellung von Melasse gekocht und von Kessel zu Kessel abgekühlt wurde, sind unter Farnen und Sträuchern noch deutlich zu sehen. Der Prozess der Rumherstellung lief damals nicht wesentlich anders ab als heute zum Beispiel auf Grenada und anderen Karibikinseln.

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1834 wurde die Sklaverei auf St. Lucia abgeschafft und die befreiten Sklaven, die auf der Plantage arbeiteten, gründeten zum Teil kleine Gemeinden in der Nähe des Estates, die auch heute noch mit ausgeprägten afrikanischen Wurzeln existieren.

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Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden Arbeiter aus Indien auf vielen Plantagen St. Lucia’s und anderer ostkaribischer Inseln angeheuert, um die befreiten Sklaven aus Afrika, welche die Plantagen verließen, zu ersetzen.

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An der Wende zum 20. Jahrhundert kehrten viele in ihre Heimat nach Indien zurück, aber manche blieben auf St. Lucia und ließen sich in der Nachbarschaft des Balenbouche Estate nieder, wo ihre Nachkommen heute noch leben.

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Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Betrieb der Zuckerplantage eingestellt, nachdem beinahe 200 Jahre lang auf ihr gearbeitet wurde. Zwischen den beiden Walzen der Zuckerrohrpresse sieht man übrigens einen großen Schraubenschlüssel eingeklemmt, von dem gesagt wird, dass mit ihm tatsächlich die ganze Maschinerie angehalten wurde.

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Tatsächlich geht die Besiedelung des Geländes um das Balenbouche Estate noch in viel weitere Vergangenheit zurück. Petroglyphen – Steinzeichnungen – in der Nähe des vorbeifließenden Balenbouche Rivers belegen, dass schon vor 2000 Jahren die aus Mittelamerika stammenden Arawak hier heimisch waren.

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Etwa um 1000 n. Chr. wurden sie von den Kariben verdrängt. Bei der Ankunft der Europäer ergaben sich die verbliebenen Eingeborenen um etwa 1660 den Franzosen und ihre Kultur ging bis auf wenige Spuren, die man in der Umgebung von Balenbouche finden kann, unter.

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1964 wurde das Anwesen dann von der Lawaetz-Familie erworben, die erst den landwirtschaftlichen Betrieb mit anderen Produkten wiederbelebte und später die Hütten der Arbeiter auf der Farm in Gästehäuser umwandelte, um Farmwirtschaft und Tourismus auf dem Plantagengelände zu kombinieren.

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Das Land des Anwesens reicht bis zur Karibikküste, wo es an zwei schwarzen Lavasandstränden endet.

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Schwarzer Sandstrand des Balenbouche Estate an der Karibikküste

Südlich vom Balenbouche Estate passiert man den letzten Ort, Laborie, vor Vieux Fort.

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Laborie

Von der Südspitze der Insel ging die Fahrt wieder an der Ostküste entlang bis in die Nähe des George FL Charles Airports im Norden von Castries.

Das war St. Lucia. Am nächsten Morgen ging es dann per Flug zur nächsten Insel.

Veggie1

(Fotos vom Februar 2019)

 

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2 Kommentare zu „St. Lucia – Balenbouche Estate“

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