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Über den Furkapass nach Zermatt

Eine Anreise so schön wie das Ziel

Wenn man aus Deutschland kommend über Basel mit dem Auto nach Zermatt anreisen will, hat man die Wahl zwischen hauptsächlich drei verschiedenen Routen: Der schnellste Weg führt an Montreux am Genfer See vorbei, geht über Martigny und dann durch das ganze untere und mittlere Rhonetal. Die Strecke ist zwar lang, aber fast durchgehend Autobahn. Der kürzeste Weg nutzt eine Eisenbahnfähre, die im Lötschbergtunnel die Berner Alpen durchquert und im mittleren Rhonetal wieder herauskommt.

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Blick vom Hotel Furkablick auf der Furkapasshöhe in Richtung Osten
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Hotel Furkablick

Die schönste, wenn auch langwierigste Strecke ist aber die Route über den Furkapass. Kurz vor dem Gotthardtunnel verlässt man die Autobahn und folgt dann in westlicher Richtung der Furkastraße, die sich bis auf 2429 Meter in die Höhe schraubt. Auf der Passhöhe befindet sich das schon 1866 gebaute Hotel Furkablick, das aber seine besten Tage hinter sich zu haben scheint. Ein kleines Restaurant scheint es zu geben, aber ein Hotelbetrieb ist nicht erkennbar.

Mit der Passstraße und dem Eisenbahntunnel, der die gleichen Orte unterirdisch verbindet, zwischen denen die Straße oberirdisch verläuft, ist eine Übernachtung auf der Passhöhe wohl ziemlich obsolet geworden.

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Auf der Furkapassstraße

Der Furkapass wurde schon zur Römerzeit genutzt, um ins Wallis und das Rhonetal zu gelangen. Bis 1981 überquerte eine reguläre Eisenbahnstrecke den Pass. Der Betrieb der Strecke wurde jedoch eingestellt, da er nicht wintersicher und ständig von Lawinen bedroht war, und durch eine ganzjährig befahrbare Bahnstrecke durch den neu gebauten Furka-Basistunnel ersetzt. Heute wird die Passstrecke im Sommer – mehr aus nostalgischen und touristischen Gründen – wieder mit einer historischen Dampflokomotive befahren.

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Westseite der Furkapassstraße. Die Kehren im Hintergrund sind der Grimselpass.

Kurz nach der Passhöhe folgt ein zweites heute stillgelegtes Hotel, das Hotel Belvédère, von dem aus ein Fußweg zur Gletscherzunge des Rhonegletschers führt, dem Hauptquellgebiet der Rhone. Die Straße verläuft dann in ein paar langen Kehren bergab nach Gletsch, wo Furkapass und Grimselpass zusammenstoßen und in die weiter talwärts verlaufende Straße ins Rhonetal übergehen.

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Gletsch im Tal, links die Furka-, rechts die Grimselpassstraße mit dem Totensee am oberen Ende, im Vordergrund die Mäander der jungen Rhone, links im Hintergrund das Rhonetal.

Gletsch liegt in einem Talkessel unterhalb des Rhonegletschers. Hier beginnt das Tal der Rhone, das sich über mehr als 150 Kilometer bis zum Genfer See erstreckt. Der offizielle Begriff „Rhonetal“ ist nur für den Abschnitt von Brig bis St. Maurice reserviert, aber geologisch ist das ganze Gebilde von hier bis zum Genfer See ein Trogtal, das einst durch Gletscher und die Rhone geformt wurde.

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Blick von Gletsch über die Rhone zurück auf die Furkapassstraße. Links hinter der Felskante verbirgt sich die Gletscherzunge des Rhonegletschers.

Über einen weiteren etwas steileren Abschnitt geht es hinunter in den Talboden des Tals der Rhone, die im oberen Wallis übrigens auch „der Rotten“ genannt wird.

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Im oberen Tal der Rhone
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Im oberen Tal der Rhone. Geschinersee vorne rechts, Ulrichen im Hintergrund.
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Der Rotten / Die Rhone
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Hängebrücke Fürgangen-Mühlebach

Im weiteren Verlauf ist bei Fürgangen eine Hängebrücke über die Rhone, die sich hier durch eine Schlucht arbeitet, sehenswert. Die Brücke ist nicht nur eine Touristenattraktion, sondern verbindet für Fußgänger tatsächlich zwei Ortsteile links und rechts der Rhone miteinander, für die sonst nur ein alter durch häufige Erdrutsche gefährdeter Weg durch die Schlucht zur Verfügung stünde. Die Brücke wurde errichtet, um den Weg durch das instabile Gelände zu umgehen. Sie ist breit genug angelegt, um selbst Rad- und Rollstuhlfahrern die Überquerung zu ermöglichen.

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Auf der Furkastraße Richtung Westen durch das Rhonetal. Weißhorn (4505 m) im Hintergrund.

Unterwegs öffnet sich der Blick auf die Weißhorngruppe, einem der großen Gebirgsmassive in den Walliser Alpen, an deren Ostflanke auch das Mattertal nach Zermatt verläuft.

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Kombinierte Bahn- und Straßenbrücke über die Rhone

Die Route führt weiter über Brig, einen der größten Orte im Rhonetal, bis nach Visp, von wo das Mattertal als südliches Seitental vom Rhonetal abzweigt und der Weg nun stetig bergauf führt. Nach etwa einem Drittel der Strecke spaltet sich das Tal in zwei Seitentäler: Das östliche Tal führt nach Saas-Fee, während das westliche Tal immer weiter nach Zermatt aufsteigt. Mit etwa 35 Kilometern ist das Mattertal von Visp bis Zermatt sehr tief in den Alpenhauptkamm der Walliser Alpen eingeschnitten und überwindet eine Höhendifferenz von 658 bis 1608 Metern. Die offen befahrbare Straße endet in Täsch, wo man in eine Bahn umsteigen muss, die das letzte Stück ins autofreie Zermatt hinaufführt.

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Rhonetal bei Grengiols

Wenn man Zermatt am späteren Nachmittag erreicht, ist die Wahrscheinlichkeit, das Matterhorn – normalerweise der vorrangigste Grund, Zermatt überhaupt zu besuchen – wolkenfrei zu sehen, eher gering. Meistens hat es sich zu der Tageszeit seine berühmte Wolkenfahne an die Ostwand geklebt.

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Matterhorn (4478 m) am späten Nachmittag

Der Betriebsamkeit im Ort tut dies keinen Abbruch. Im Sommer – und erst recht im Winter – sind hier stets Touristen aus aller Welt unterwegs.

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In Zermatt

Zermatt ist kein kleines Bergdorf, vielmehr schon eine Kleinstadt im Hochgebirge, die mit kontinuierlichen Baumaßnahmen dem ständig zunehmenden Besucherstrom gerecht werden will.

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Dabei geht es nicht nur in die Breite, sondern auch in die Höhe. Auch wenn diese sicherlich durch entsprechende Bauvorschriften begrenzt ist, gibt es eine Fülle an Hotels, die es auf vier, fünf Stockwerke bringen.

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Bei allen Planungen wird es primär um ein Thema gehen: Sieht man es vom Zimmer aus oder sieht man es nicht, das Matterhorn? Der Umsatz eines Hotels und die Frage, welche Zimmerpreise man nehmen kann, hängen wesentlich davon ab. Wehe, einer Hoteletage wird die Sicht auf den Berg durch ein neues Hotel verstellt; der Wert der Zimmer wird schlagartig um mindestens die Hälfte fallen.

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Nicht jeder übernachtet in Zermatt. Es gibt Massen an Tagestouristen, die den Ort nur für ein paar Stunden besuchen. Die Verkehrsinfrastruktur mit Bus und Bahn vom Rhonetal bis hinauf in den Ort und mit Parkhäusern im Talort Täsch ist perfekt darauf vorbereitet. Züge kommen und gehen etwa im 20-Minuten-Takt bis tief in die Nacht hinein. Diese Tagestouristen sind meistens daran zu erkennen, dass sie oft im Laufschritt mit der Kamera bewaffnet den perfekten Winkel suchen, in dem das Objekt der einzigen Zermatter Fotobegierde zwischen den Häuserfronten hindurchlugt.

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Ein Desaster, einen verregneten oder wolkenverhangenen Tag erwischt zu haben, an dem vom Matterhorn nur eine graue Schimäre oder schier gar nichts zu sehen ist. Und diese Tage gibt es natürlich, wie überall in den Alpen, auch wenn das Wallis mit überdurchschnittlich vielen Sonnenstunden im Jahr  im Vergleich zu anderen Alpenregionen gesegnet ist. Ich hatte etwa zweieinhalb von acht Tagen mit eher schlechtem Wetter; es ist also nicht ganz ausgeschlossen, mal Pech zu haben.

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Dieser erste Nachmittag und Abend war kein schlechter Start und die Wolkenfahne hat ja ihren fotografischen Reiz. Es folgten schlechtere, aber auch noch bessere Tage, und wie sich herausstellte, gibt es – natürlich – doch mehr zu sehen als nur das Matterhorn, aber dazu muss man Zermatt verlassen und höher hinaus.

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(Fotos vom August 2019)

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