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Zermatt – Ansichten vom Dorf

…wenn das noch der richtige Begriff ist

In und um Zermatt gibt es Spuren, die belegen, dass sich schon in der Mittel- und Jungsteinzeit Menschen hier aufgehalten haben. Auf eine Besiedlung schon in der Eisenzeit ab etwa 380 v. Chr. deuten Reste von Töpferwerkstätten hin, die bei Furi und beim Bau von Hotels im Ort entdeckt wurden. Funde aus der Römerzeit am Theodulpass oberhalb von Zermatt legen nahe, dass das Dorf auf frühen Handelsrouten zwischen Italien und dem Rhonetal lag.

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1280 n. Chr. wird Zermatt erstmals in mittelalterlichen Schriften unter seinem früheren lateinischen Name „Pratobornum“ erwähnt, der später in den französischen Namen „Praborgne“ überging, der heute noch im französischen Sprachraum bekannt ist.

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Der Name bedeutet soviel wie „Wiese (oder Matte) im Quellgebiet“ und verweist auf die vier Gletscherbäche, die sich im Tal bei Zermatt vereinen. Die Bergwiese oder „Matte“ spiegelt sich auch im heutigen walliserdeutschen „Zur Matt“ bzw. endgültig „Zermatt“ wieder.

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Um 1800 hatte Zermatt nur etwa 400 Einwohner und bestand aus einigen zusammenhängenden Weilern. Heute zählt der Ort knapp 6000 Einwohner, bietet aber in Hotels und anderen Unterkünften zusätzlich Platz für etwa 17500 Gäste.

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Etwa um 1800 kamen auch die allerersten Besucher nach Zermatt. Um 1850 entstanden die ersten Hotels und zu einem regelrechten Tourismusschub kam es nach 1865, nachdem Zermatt durch die Erstbesteigung des einige Jahre zuvor noch für unbezwingbar gehaltenen Matterhorn durch den Engländer Edward Whymper weltberühmt geworden war.

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Vom alten Dorf aus dieser Zeit sind neben dem heutigen Ortskern noch einige Häuser im Stil alter Walserhäuser erhalten. In der Regel wurden diese Häuser aus dickem Lärchenholz gebaut, das sich im Laufe der Jahre in der Sonne dunkler bis fast ganz schwarz färbte.

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Ein paar außerhalb des Ortskerns gelegene Weiler haben auch noch das typische Erscheinungsbild eines Walliser Bergdorfes, aber ansonsten ist Zermatt heute vom Stil eines modernen Ferienortes geprägt.

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Im alten Ortskern trifft man auf einen Brunnen mit einer Gedenktafel für Ulrich Inderbinen, einem legendären Zermatter Bergführer. Über 370-mal hat er das Matterhorn bestiegen, das letzte Mal mit 90 Jahren. Er wurde 104 Jahre alt und war bis zu seinem 96. Lebensjahr als Bergführer aktiv.

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Das Bergsteigen im Mattertal begann schon 1792, als das Klein Matterhorn erstmals bestiegen wurde. Weitere Höhepunkte waren die Erstbesteigung der Dufourspitze, des höchsten Schweizer Berges, im Jahre 1855, die schon erwähnte Matterhornerstbesteigung im Jahre 1865 und die Erstdurchsteigung der schwierigen und gefährlichen Matterhorn-Nordwand im Jahre 1931.

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1873 wurde die Zermatter Bergführergesellschaft St. Niklaus gegründet, auf die über 300 Erstbesteigungen zurückzuführen sind, nicht nur in den Alpen, sondern auch über die Grenzen hinaus in anderen Teilen der Welt. So wurde z.B. der Elbrus im Kaukasus, der höchste Berg Europas (wenn man den Kaukasus zu Europa zählt), von einem Bergführer aus St. Niklaus zuerst bestiegen. Ein anderer hat als erster Schweizer 1883 einen Gipfel im Himalaja erklommen, und viele Routen in den Alpen, in Norwegen oder Kanada tragen die Namen von Bergführern aus St. Niklaus.

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Im Jahre 1891 wurde die Bahnstrecke durch das lange Mattertal von Visp im Rhonetal bis nach Zermatt für den Sommerbetrieb eröffnet und schon 1898 wurde die Gornergratbahn fertiggestellt.

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1933 wurde die Bahnstrecke durch das Tal für den Winterbetrieb gesichert und konnte damit ganzjährig betrieben werden. Schon 1944 hat die Zahl der Touristen im Winter die der Touristen im Sommer überflügelt. So ist es auch heute noch – der Winter ist die beliebtere, teurere und für die Hoteliers lukrativere Saison.

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Zermatt ist heute autofrei, zumindest was Autos mit Verbrennungsmotor angeht. Tatsächlich herrscht im Ort ein durchaus reger Verkehr mit kleinen Elektroautos, die sich um die Logistik kümmern und vor allem Touristen vom Bahnhof Zermatt abholen und wieder dorthin zurückbringen.

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Mit dem Auto kommt man bis nach Täsch, wo am Bahnhof für das letzte Stück per Bahn bis hinauf nach Zermatt auf 1608 Metern Höhe große Parkhäuser bereitstehen. Einheimische und Fahrzeuge mit Sondergenehmigungen dürfen die Straße nach Zermatt natürlich nutzen, gelangen aber in der Regel auch nur bis zu den Parkplätzen am Ortseingang.

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Man versucht natürlich darauf zu achten, dass das Ortsbild noch einigermaßen den Charme eines Bergdorfes behält, und es gibt hier und da Winkel, in denen das noch spürbar ist, aber im Großen und Ganzen ist Zermatt eher nicht geeignet, alpine Ursprünglichkeit zu erleben.

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Der Tourismus hat den Ort fest im Griff und es gibt nur kurze ruhigere Phasen zwischen den Jahreszeiten.

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Das Publikum ist äußerst international und darauf ist auch die Gastronomie eingerichtet, sowohl was die Küche als auch was das Personal angeht. Es ist nicht selbstverständlich, dass in einem Restaurant auch nur eine der drei sozusagen einheimischen Sprachen Deutsch, Französisch oder Italienisch gesprochen wird. Man muss mit Chinesisch, Japanisch oder Russisch, und gebrochenem Englisch als zweiter Sprache rechnen.

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Teuer ist jedes Restaurant. Selbst der obligatorische McDonalds liegt deutlich über dem normalen Niveau, ist aber trotzdem als einer der günstigsten Nahrungsversorger auch in Zermatt vor allem bei jungen Tagesbesuchern beliebt.

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Vom oft rustikalen äußeren Erscheinungsbild der Hotels und Unterkünfte darf man sich nicht täuschen lassen. Im Inneren herrscht häufig der pure Luxus und beste Schweizer Servicequalität mit dem entsprechenden Preis. Nicht umsonst hat Zermatt eine der längsten Listen von Hotels mit höchsten Bewertungen auf Portalen wie TripAdvisor und ähnlichen.

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Der Ausbau der touristischen Infrastruktur hat immer noch kein Ende gefunden. Baukräne überragen das Ortsbild an vielen Stellen, wobei man vom typischen gelben Anstrich der Kräne vielerorts Abstand genommen hat, um die Panoramafotos vom Ort nicht allzu auffällig zu ruinieren. Zermatt hat an Freizeitvergnügungen so ziemlich alles verfügbar, aber eines, worum die ansässigen Hoteliers seit Jahren streiten und kämpfen, sucht man in Zermatt vergeblich: Ein öffentliches Hallen- oder Freibad. An fehlendem Wasser oder Geld kann es nicht liegen; vielleicht findet man ja einfach keine ausreichend große Lücke auf der „Matte“ mehr.

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(Fotos vom August 2019)

 

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